Klassischer ÖPNV kann Versorgung nicht abdecken

Ein neuer Nahverkehrsplan für den Landkreis Friesland soll also her. An sich kein schlechtes Anliegen, würde nur in der Planung nicht in Gänze darauf verzichtet, etwaige moderne Alternativen zum Buslinienverkehr heranzuziehen. Eines gilt so oder so darüber hinaus: Der Verzicht auf den PKW wird auf absehbare Zeit mitnichten in die Nähe des Umsetzbaren gelangen. Insofern ist zumindest zu begrüßen, dass das Fazit der Verantwortlichen vorweg verlauten ließ, dass der ÖPNV in Friesland keine Alternative zum Auto darstelle. Sich jedoch im Weiteren lediglich auf den „Ausbau“ des bislang nur rudimentär vorhandenen Busnetzes zu beschränken, ist nahezu irrwitzig. Natürlich, auch ein Ausbau der Buslinien ist unumgänglich, besonders wenn man bedenkt, dass ein Angebot geschaffen werden muss, um etwa den touristischen Verkehrsbedarf zu bedienen. Aber traditioneller ÖPNV kann alleine schon vor finanziellen Hintergründen nur ein Teilbaustein eines Gesamtverkehrskonzeptes in ländlichen Regionen sein. Die Hoffnung zu wecken, man könne den Landkreis innerhalb weniger Jahre in Sachen ÖPNV an die Verhältnisse in Großstädten angleichen, wie es beispielsweise Olaf Lies gerne verlauten lässt, grenzt an blanken Populismus und sollte mit Hohn abgestraft werden. Was ländliche Regionen brauchen, um den Nahverkehr auf solidere Beine zu stellen, sind innovative Konzepte und die Erkenntnis dafür, eher diese auch finanziell zu fördern, anstatt den herkömmlichen Busverkehr aus den ohnehin klammen Kassen in Gänze selbst zu schultern. So gab es beispielsweise im Harz einen durch das Max-Planck-Institut durchgeführten Testlauf des sogenannten „Ecobus“. Dabei können Fahrgäste ihre Tour per App, Internet oder Telefon buchen, wonach ein Algorithmus dafür sorgt, dass Fahrgäste mit ähnlichem Start und Ziel unterwegs aufgelesen werden. Feste Fahrpläne oder Linien braucht es dafür nicht. Natürlich, es ist schwer, so ein Konzept auf dem Land rein privatwirtschaftlich oder kostendeckend zu betreiben. Aber, so sahen es auch die dortigen Projektleiter, es ist machbar. Doch auch wenn es dies nicht sein sollte, so kann die öffentliche Hand hier immer noch subventionieren. Ähnliche Konzepte betreibt die Volkswagen-Tochter „MOIA“ derzeit in Hannover und Hamburg. Hier ist der Landkreis gefragt, nicht länger die Augen zu verschließen und mit den Entwicklern solcher Alternativen in Kontakt zu treten – und das bitte zeitnah! Selbst wenn dies den Bedarf mit Sicherheit nicht in seiner Gesamtheit abdecken mag, so ist es ein wichtiger Baustein, der Teil eines Gesamtkonzeptes sein muss. Doch auch Dinge wie Carsharing – auch das unter Umständen durch Subventionen gefördert – würden zweifelsohne dazu führen, dass weniger Menschen zum Autokauf tendieren und somit einen Beitrag für die Umwelt leisten. Außerdem ist bei all dem noch gar nicht von Taxigutscheinen für ältere Menschen die Rede gewesen, die etwa den Weg zum Arzt oder zum Einkaufen nicht mehr auf eigene Faust bestreiten können. Auch diese Dinge sind unabdingbar Teil eines soliden Nahverkehrskonzeptes.

Tjark Waculik

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